Overhoff und die Tortentheorie

Ganz ohne das Thema „Essen“ schafft es Jürgen Overhoff, der selbsternannte Gourmetpapst des  Main-Echos wohl nicht mehr. Doch bevor ich auf seine bescheuerte Tortentheorie eingehe, frage ich erst mal, welche journalistische Sau er mit seinem Aschaffenburger Streifzug in der Ausgabe vom 12.7. durchs Dorf zu treiben gedenkt? Unter der Überschrift „Das Mehr in uns“ schreibt er völlig zusammenhangslos über „die gierige Natur des Menschen“, über den „Defekt der Gattung“ Mensch, über „Macht besoffene Politiker“, über „Sexus“, „Polygamie“ und “die Kultur des Seitensprungs“, um dann plötzlich bei mir zu landen.

Geht‘s noch, Jürgen? Zu viel Molekularküche intus? Wie wäre es denn mit journalistischen Hausaufgaben, Recherche, Untersuchung, Nachfragen und Nachhaken? Zu mühsam mit vollem Bauch? Ist es nicht Aufgabe von Lokalredakteuren, der Politik auf die Finger zu schauen und eventuelle Fehlentwicklungen auch als solche zu benennen? Korrumpiert die tägliche Nähe des Lokaljournalisten zu den Entscheidern in der Stadt nach und nach das kritische Denken, aus Angst, bei Missgefallen vom Informationsfluss abgeschnitten zu werden?
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Warum will Claus in den Rat?

„Ein wenig Rock ‘n‘ Roll schadet dem Stadtrat nichts“. Macht der Berninger nun Spaßwahlkampf? Will er den Politclown geben? Dicke Lippe riskieren? Oder den Stadtrat aufmischen?

Nein, meine Hübschen! Der Claus meint es sehr ernst! Vielleicht mal das vorweg: Politik interessiert mich schon seit Jahrzehnten und meine politische Verwurzelung bei den GRÜNEN begann bereits Anfang der 80er Jahre, als es los ging mit der Bewegung. Mitglied bin ich seit fast 14 Jahren und die Ideen und Ziele der GRÜNEN teile ich fast uneingeschränkt. Was meine GRÜNEN MitstreiterInnen und ich gemeinsam in Aschaffenburg bewegen und ändern wollen, könnt Ihr in unserem ausführlichen Programm nachlesen.

Allerdings habe ich auch eine sehr persönliche Agenda:
Ich trete zur Aschaffenburger Stadtratswahl 2014 an mit dem Ziel, dafür zu sorgen, in Aschaffenburg endlich umfassend über Kultur zu diskutieren. Hier sind meine Thesen nach 30 Jahren Beobachtung der städtischen Aschaffenburger Kulturangebote:

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Halt die Klappe, Kalli!

Ja, Karl-Heinz Stegmann, das kennen wir alles! Ist gut! Toll!

Der Redebeitrag unseres Aschaffenburger SPD Stadtrats im letzten Stadthallensenat wird heute im Main-Echo wie folgt zusammengefasst: „Es sei von Anfang an klar gewesen, dass sich die Stadthalle nicht kostendeckend betreiben lasse – ihr Defizit liege denn auch im Rahmen der gewünschten Obergrenze von 250 000 Euro.“ Das hören wir Steuerzahler jedes Jahr von ihm und anderen Mitgliedern des Stadtparlaments, und somit ist das nichts Neues. Man muss wissen, dass das Gesamtdefizit des Kongress- und Touristikbetriebes, zu dem die Stadthalle gehört, im letzten Jahr insgesamt ein Loch von einer Million in der Stadtkasse hinterlassen hat – auch das ist Jahr für Jahr in etwa Standard.

Aber dieses Jahr geht Kalli Stegmann noch einen Schritt weiter und meint; „Schon gar nicht ließen sich Tourismuswerbung und Stadtmarketing zum Nulltarif leisten.“ Und dann wörtlich: „In Aschaffenburg wäre nichts los, wenn wir diese Million nicht ausgeben würde.“

Und da fühlt man sich als Veranstalter dann doch langsam provoziert. Halt die Klappe, Kalli! weiterlesen

MdL im „rechtsfreien Raum“

Toll: da nimmt jemand seine Mission richtig ernst. Prof. Dr. Winfried Bausback, bayerischer Landtagsabgeordneter und Vorsitzender der CSU Stadtratsfraktion in Aschaffenburg hat sich gestern die Nacht um die Ohren geschlagen. Sozusagen als „embedded politician“ war er bis in die frühen Morgenstunden im Streifenwagen unterwegs – im „rechtsfreien Raum“, wie sein Stadtratskollege Manfred Christ die Innenstadt in den Nächten des Wochenendes bezeichnet. Unbewaffnet, das sei hier erwähnt.

Was war Anlass dieser Expedition in die Abgründe der menschlichen Gesellschaft? Was steckt dahinter? War es immer schon Bausbacks Jugendtraum, einen Polizeiwagen zu steuern, so wie andere Jungs es sich sehnlichst wünschen, einen Bagger zu fahren? Wollte er mal mit Begleitschutz in die Szene eintauchen? Wollte er der 5. Jahreszeit entsprechend einen Sheriff geben? Nein, alles Blödsinn. Erstens war er Augenzeugen zufolge in zivil unterwegs und zweitens hat er beispielsweise im Colos-Saal keinen Eintritt bezahlt, als er gemeinsam mit zwei Polizeibeamten heute Nacht gegen 2.30 Uhr unsere Veranstaltung besuchte. Vielleicht sind die Abgeordneten-Diäten doch nicht so üppig, wie der Laie immer denkt? MdL im „rechtsfreien Raum“ weiterlesen

… sehr leicht durchschaubar

Ein interessanter Beitrag zur aktuellen Diskussion um die künftige Länge der Sperrzeiten in Aschaffenburg ist in Facebook nachzulesen. Alfred Rudolf Höfer, Rentner und seines Zeichens Kassierer der CSU Ortsverband Aschaffenburg Damm offenbart ungeniert seine Geisteshaltung und möglicherweise die seiner örtlichen Parteikollegen zum Thema.

Schreibfehler und die Interpunktion stammen von ihm und ich nehme den Beitrag unverändert hier in diesen Blog auf. Wer ihn kommentieren möchte, immer gerne!

„Sperrstunde 02:00h in AB?
Rechte und Freiheiten des Einzelnen enden dort, wo die Rechte und Freiheiten der Anderen beginnen.
Die Rechte der Bürgen auf Nachtruhe, ungestörte Erholung und damit auf Gesundheit soll durch das Recht auf überschäumenden Genuss und Lebensfreude sowie Trunkenheit, Drogenkonsum und alle anderen negativen Begleiterscheinungen wie Erbrechen, Körperverletzung und Vandalismus eingeschränkt sein?

Nur weil andere in dieser Nachtzeit sehr viel Geld verdienen wollen; Kindern und Jugendlichen Alkohol und Drogen verkaufen ohne das Jugendschutzgesetz zu beachten sollte das Recht zu feiern nicht das Recht auf Gesundheit übertrumpfen.

Auch sollten Gastwirte aus Verantwortung für unsere Gesellschaft und ihre Gäste nicht den Gewinn über alles stellen. Ihr Protest gegen die Sperrstundenverlängerung ist sehr leicht durchschaubar.“

… ins Knie geschossen!

Immer Ärger mit der Sperrstunde?

Um es vorweg zu nehmen: Ja, es gibt Probleme des Nachts am Wochenende in der Aschaffenburger Innenstadt. Ja, es gibt zu viel Müll, es gibt unnötigen Lärm, es gibt Leute die weder ihren Alkoholkonsum noch ihre Verdauung im Griff haben. Ja, es gibt auch üble Gewalt, sinnlose Randale und zu viele besoffene Jugendliche in den Straßen. Ja, es gibt die dunklen Randerscheinungen des menschlichen Zusammenlebens und ich verstehe alle Anwohner, die davon genervt sind.

Wen ich nicht verstehe, sind diejenigen Anwohner, die maßlos übertreiben, gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen öffentlich hetzen, insbesondere gegen Jugendliche oder Gaststätten- bzw. Veranstaltungsbesucher, alles über einen Kamm scheren und gar nicht mehr bereit sind, zu differenzieren. Obwohl sie doch Wochenende für Wochenende Logenplätze haben und Augenzeugen dafür sind, dass sich tausende Menschen, die möglicherweise einen anderen Lebensrhythmus und sicher ein anderes Lebensgefühl haben, gutgelaunt und völlig gefahrlos nachts durch die Straßen der Stadt bewegen, sich dort amüsieren, ihre Freunde treffen, Kultur- und Unterhaltungsangebote wahrnehmen und völlig unbeschadet wieder nach Hause gelangen.

Das genau könnte auch unser ehemaliger CSU-Landtagsabgeordneter und Nochimmerstadtrat Manfred Christ sehen, wenn er aus den Fenstern seines Domizils in der Sandgasse schauen würde. Aber was sieht er? „Lärm-, Vandalismus- und Kriminalitätsprobleme.“ Nach Mitternacht sei die „Innenstadt ein rechtsfreier Raum“, behauptet er gegenüber dem Main-Echo, die Leute „pinkeln, grölen und randalieren“. Es gäbe „bis zu 50 Vorfälle an einem Wochenende“ wenn man sich die Einsatzberichte der Polizei durchlese. Mal abgesehen davon, dass er dies nun schon seit knapp 30 Jahren behauptet, habe ich persönlich das Gefühl, dass er wirklich nicht mehr weiß, was er damit der Stadt, ihren Bewohnern und ihren Besuchern antut. Wie müssen sich die Aschaffenburger Ordnungs-und Polizeibehörden fühlen, wenn sie so etwas lesen, wenn sie sozusagen als Versager dastehen, obwohl sie nach meiner langjährigen Beobachtung einen ziemlich guten Job machen? Was tut Manfred Christ dem Stadtmarketing an, das Aschaffenburg den Touristen als lebhafte Kommune voller Angebote mit hohem Lebens- und Unterhaltungswert anzupreisen versucht? Welches vernichtende und menschenfeindliche Urteil spricht er hier aus über all die Menschen, die sich friedlich in der Stadt bewegen? Und was versteht dieser Mensch von hart arbeitenden Unternehmern und Mitarbeitern in der Gastronomie, was versteht er überhaupt von wirtschaftlichen Zusammenhängen, wenn er die Chuzpe besitzt, in einem Zeitungsinterview zu verlangen, das gastronomische Geschehen „in die Industriegebiete“ zu verlagern und den Kneipiers das „notwendige Übel“ abverlangt, „eben kostengünstiger“ zu „wirtschaften“. Hallo? Geht‘s noch? Hat man ihn in den Stadtrat gewählt um Existenzen und Arbeitsplätze zu vernichten? … ins Knie geschossen! weiterlesen

Altmännergeschreibsel bei fallendem Testosteronspiegel

Lieber Jürgen Schreiber,

was war mit Dir los am 2. Mai? Ärger mit der Gattin zuhause? Beginnendes Burn-Out Syndrom? Aufkeimende Midlife-Crisis?

Wolltest Du nun über die Musik der Gruppe Asia im Colos-Saal schreiben oder ein Abhandlung über Gerontologie in der Rockmusik? Fassen wir doch mal Deinen Artikel im Main-Echo Kulturteil zusammen:

„Altherren-Riege in Augenblicks-Hitze.“ Der größte Erfolg der Band „liegt nun schon fast 30 Jahre zurück“. „Rockdinosaurier (…) nach dem Abstieg aus der Champions League des Musikbusiness (…) mit einem an Jahren nicht minder reifen Publikum.“ „John Wettons Stimme (hat) in fast 40 Jahren Karriere nur wenig an Timbre und Ausdruckskraft eingebüßt, auch wenn der in die Jahre gekommene einstige Frauenschwarm physiognomisch inzwischen eher wie der Zwillingsbruder von Gunter Gabriel herüberkommt.“ „Der spindeldürre Ex-Yes-Gitarrero Steve Howe versprüht (…) seit jeher den Charme eines Bestattungsunternehmers, wozu die inzwischen schlohweiß-schüttere Haarpracht ihr Übriges tut.“ „Unter Vierzigjährige hatten sich an diesem Abend kaum in den Colos-Saal verirrt – und wenn, dann dürften sie sich wie bei einem Seniorentanztee im vierten Gang vorgekommen sein.“ Es darf bezweifelt werden, „dass es noch ein weiteres Mal Gelegenheit geben wird, die betagten Recken dahier live zu erleben.“

Tja Jürgen, was hast Du eigentlich erwartet?
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Pracht und Glaube -

eine Aschaffenburger Ausstellung – wird in dem unten abgebildeten Main-Echo Artikel vom 30.1.2010 mit der Überschrift „Stiftsschatz als Besuchermagnet“ thematisiert. Der Zeitungsbericht wurde damals weder kommentiert, noch folgten ihm irgendwelche Leserbriefe. Die Zahlen in dem Artikel sind aber so schön, dass ich im Folgenden den Bericht ein wenig umgeschrieben (und gleich auch kommentiert) habe.

Prächtige Zahlen …

… hat der Kultur- und Schulsenat der Stadt Aschaffenburg bei seiner letzten Sitzung anstandslos geschluckt. Es ging um die Ausstellung „Pracht und Glaube“ und den hierzu fertig gestellten Umbau des Siftsmuseums. Im Glauben an die problemlose Korrekturfähigkeit vorhandener Finanzplanungen ist man doch gleich mal um etwa 100.000,- Euro übers Ziel hinaus geschossen (“unerwartete Mehrkosten”). 150.000,- Euro wurden für die Aktion vor einem Jahr bewilligt, 250.000,- wurden aber ausgegeben. Pracht und Glaube - weiterlesen

Auf neutralem Gebiet …

… kam es gut drei Wochen nach der  ziemlich falschen Pressemeldung im Main Echo doch noch zu einer Aussprache zwischen mir und Claus Morhart, dem Chefredakteur des Main-Echo – dies sollte fairerweise nicht unerwähnt bleiben. Er lud mich zu Croissants ins Cafe Schwarzer Riese nach Aschaffenburg zu einer Aussprache ein. Siehe Blog-Artikel vom 11. Februar: „Jack the Bottle-Ripper …“

Selbstverständlich nahm er seine Redakteure in Schutz, ließ aber auch erkennen, dass die ganze Berichterstattung nicht optimal gelaufen sei. Er signalisierte, dass er die Geschichte in der nächsten Redaktionsklausur noch einmal durchgehen werde.
Thema unseres Gesprächs  war aber auch, ob die spaltenlangen Polizeiberichte in den Montagsausgaben des Main-Echo dem gerecht werden, was tatsächlich an jedem Wochenende in Aschaffenburg geschieht. Auf neutralem Gebiet … weiterlesen

Musentempel als Steuergrab

Wer das Main-Echo regelmäßig liest, wundert sich über die Fülle von Leserbriefen zu religiösen Themen. Es sind zwar oft die Gleichen, die da schreiben und ihre Sicht des wahren Glaubens der geneigten Leserschaft als unumstößliche Weisheit zum Frühstück präsentieren. Aber der Verlag hält diese Auseinandersetzung wohl für immens wichtig. Kein Wunder, war doch der Chefredakteur früher bei einem kirchlichen Blatt angestellt. Auch die Freuden der Jagd scheinen für die Leserschaft  verdammt bedeutungsreich zu sein, die Anhänger des Waidwerks bekriegen sich verbal seitenlang mit den Vegetariern und Tierschützern. Überaus interessant für uns Spessartbewohner.

Andere Themen passen da natürlich nicht mehr ins Blatt. Hier ein Beispiel.
Den Leserbrief, der gleich folgt, hatte ich Mitte November 2009 ans Main-Echo geschickt. Er kam zurück mit der ziemlich barsch formulierten und ohne Signatur versehenen Aufforderung, ihn zu kürzen, er sei zu lang. Das habe ich zähneknirschend gemacht, gedruckt wurde er trotzdem nicht. Ich hatte ihn auch an den Redakteur Peter Freudenberger geschickt, den Autor des Berichtes, auf den sich der Leserbrief bezog. Der wunderte sich in einem Telefonat darüber, warum er von seiner eigenen Redaktion nicht abgedruckt wurde, bot mir aber an, ein Pressegespräch zu dem Thema zu führen. Musentempel als Steuergrab weiterlesen