… ins Knie geschossen!

Immer Ärger mit der Sperrstunde?

Um es vorweg zu nehmen: Ja, es gibt Probleme des Nachts am Wochenende in der Aschaffenburger Innenstadt. Ja, es gibt zu viel Müll, es gibt unnötigen Lärm, es gibt Leute die weder ihren Alkoholkonsum noch ihre Verdauung im Griff haben. Ja, es gibt auch üble Gewalt, sinnlose Randale und zu viele besoffene Jugendliche in den Straßen. Ja, es gibt die dunklen Randerscheinungen des menschlichen Zusammenlebens und ich verstehe alle Anwohner, die davon genervt sind.

Wen ich nicht verstehe, sind diejenigen Anwohner, die maßlos übertreiben, gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen öffentlich hetzen, insbesondere gegen Jugendliche oder Gaststätten- bzw. Veranstaltungsbesucher, alles über einen Kamm scheren und gar nicht mehr bereit sind, zu differenzieren. Obwohl sie doch Wochenende für Wochenende Logenplätze haben und Augenzeugen dafür sind, dass sich tausende Menschen, die möglicherweise einen anderen Lebensrhythmus und sicher ein anderes Lebensgefühl haben, gutgelaunt und völlig gefahrlos nachts durch die Straßen der Stadt bewegen, sich dort amüsieren, ihre Freunde treffen, Kultur- und Unterhaltungsangebote wahrnehmen und völlig unbeschadet wieder nach Hause gelangen.

Das genau könnte auch unser ehemaliger CSU-Landtagsabgeordneter und Nochimmerstadtrat Manfred Christ sehen, wenn er aus den Fenstern seines Domizils in der Sandgasse schauen würde. Aber was sieht er? „Lärm-, Vandalismus- und Kriminalitätsprobleme.“ Nach Mitternacht sei die „Innenstadt ein rechtsfreier Raum“, behauptet er gegenüber dem Main-Echo, die Leute „pinkeln, grölen und randalieren“. Es gäbe „bis zu 50 Vorfälle an einem Wochenende“ wenn man sich die Einsatzberichte der Polizei durchlese. Mal abgesehen davon, dass er dies nun schon seit knapp 30 Jahren behauptet, habe ich persönlich das Gefühl, dass er wirklich nicht mehr weiß, was er damit der Stadt, ihren Bewohnern und ihren Besuchern antut. Wie müssen sich die Aschaffenburger Ordnungs-und Polizeibehörden fühlen, wenn sie so etwas lesen, wenn sie sozusagen als Versager dastehen, obwohl sie nach meiner langjährigen Beobachtung einen ziemlich guten Job machen? Was tut Manfred Christ dem Stadtmarketing an, das Aschaffenburg den Touristen als lebhafte Kommune voller Angebote mit hohem Lebens- und Unterhaltungswert anzupreisen versucht? Welches vernichtende und menschenfeindliche Urteil spricht er hier aus über all die Menschen, die sich friedlich in der Stadt bewegen? Und was versteht dieser Mensch von hart arbeitenden Unternehmern und Mitarbeitern in der Gastronomie, was versteht er überhaupt von wirtschaftlichen Zusammenhängen, wenn er die Chuzpe besitzt, in einem Zeitungsinterview zu verlangen, das gastronomische Geschehen „in die Industriegebiete“ zu verlagern und den Kneipiers das „notwendige Übel“ abverlangt, „eben kostengünstiger“ zu „wirtschaften“. Hallo? Geht‘s noch? Hat man ihn in den Stadtrat gewählt um Existenzen und Arbeitsplätze zu vernichten?

Aber das jahrzehntelange Miesmachen der Stadt und ihrer Bewohner, die Antipathie gegenüber allem was jung und junggeblieben ist, gegenüber allem, was seinen kulturellen Horizont übersteigt – an dieser Stelle soll nicht unerwähnt bleiben, dass Manfred Christ ein passionierter Karnevalist ist, der an den tollen Tagen auch sehr gerne hart am eigenen Alkoholpegel arbeitet – es hat gefruchtet. Er hat seine Parteikollegen dazu gebracht, einen Antrag zu stellen, „flächendeckend“ alle Kneipen und Clubs am Wochenende wesentlich früher dicht zu machen. Und er schießt damit der örtlichen CSU so gewaltig ins Knie, wie es noch keiner vor ihm in Aschaffenburg fertig gebracht hat – so zumindest meine persönliche Prophezeiung.

Wollte die CSU das Thema still und leise im Stadtrat einbringen? Wenn ja, ist das gründlich schief gegangen. Aber so blöd sind die Partei und ihr mutmaßlicher Oberbürgermeister-Kandidat Winfried Bausback wirklich nicht, als dass sie nicht hätten ahnen müssen, dass sich das junge und aktive Aschaffenburg nicht kampflos sein Freizeitvergnügen und Ausgehverhalten diktieren lässt. Ja ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass die meisten aktiven Menschen, die gerne ausgehen, ob jung oder alt, dies als schweren Eingriff in ihre persönliche Freiheit ansehen würden, dass sie darüber leidenschaftlicher streiten mögen als über wesentlich wichtigere Dinge in dieser Welt, die aber vermeintlich nicht zu ändern sind.

Daher stellen sich im Moment die Fragen: Haben Bausback und Co. den Sprengstoff  unterschätzt, der in ihrem Antrag enthalten ist? Hat die CSU überhaupt ihre eigenen Leute gefragt oder ist der Vorstand einfach mal ohne Absprachen vorgeprescht? Oder ist es wirklich so simpel, wie es die politischen Gegner und die Presse vermuten und Bausback wollte mit einem öffentlich wirksamen Thema, mit Kanonendonner seinen Wahlkampf eröffnen?

demontage_csuGestern offenbarte sich das das Dilemma vor geschätzten hundert Augenzeugen. Die CSU lud ein zur „Bürgerversammlung“ unter dem Motto „Längere Sperrzeit – effektives Mittel gegen Alkoholmissbrauch, Gewalttaten, Ruhestörung und Vandalismus?“ und es kamen überraschend viele Menschen aller Altersklassen. Doch möglicherweise waren es aus Sicht der CSU die Falschen. Die Gegner der Sperrzeitverlängerung hatten über Facebook mobil gemacht und hatten sich auf die Thematik vorbereitet. Ganz im Gegensatz zur CSU. Es stellte sich schnell heraus, dass die Partei ihre Hausaufgaben nicht gemacht hatte und einem Bauchgefühl oder der ewigen Nörgeleien Manfred Christs folgend ins Blaue geschossen hat.

Es gab keine Zahlen zur aktuellen Situation. Weder wusste die CSU, wie viele Kneipen und Clubs tatsächlich ihre Läden nach 2 Uhr offen halten (dies wird gerade erst vom Aschaffenburger Ordnungsamt ermittelt), noch hatte man bei der Polizei aktuelle bzw. vergleichende Kriminalitätsstatistiken eingeholt (auch die werden erst erstellt und liegen bis zur Stadtratssitzung  Anfang März vor).  Lothar Hinzer, der Leiter des Aschaffenburger Ordnungsamtes, der darauf hinwies, dass es keine messbaren Zunahmen der Beschwerden seitens der Öffentlichkeit gibt, wurde von Winfried Bausback auf rüde Art und Weise mehrfach unterbrochen und abgekanzelt. Die eigene Parteijugend kam gar nicht zu Wort oder wollte keine Stellung beziehen. Mit den Gaststättenbetreibern war im Vorfeld nicht gesprochen worden, von den Ordnungsbehörden wurde kein Urteil eingeholt.

Der eingeladene Referent, der Leiter der Polizeiinspektion Erlangen Stadt, berichtete stolz von statistisch gemessenen Erfolgen mit einer Sperrzeitverlängerung in seiner Heimatstadt. Aber jedem aufmerksamen Zuhörer wurde schnell klar, dass die in Erlangen lebenden 28.000 Studenten als potentielle Party People eine ganz andere Dimension von Nachtleben darstellen als das in dieser Hinsicht recht beschauliche Aschaffenburg vorzuweisen hat.  Außerdem gab der Referent zu, dass auch nach Einführung der rigideren Sperrzeit das Nachtleben in Erlangen munter weiter ging, denn 28 Clubs, Diskotheken, Jugendclubs, Gaststätten und Cafés, darunter auch zwei Großraumdiskotheken mit jeweils 2500 Personen Kapazität, bekamen hinterher auf Antrag ihre Nachtkonzession, müssen halt monatlich dafür zahlen. Offensichtlich hat man in Erlangen laut dem Referenten das sogenannte „flankierende Gewerbe“, sprich Imbissbuden, Dönerstände etc. mit dieser Maßnahme teilweise abgeschossen, möglicherweise somit auch Existenzen und Arbeitsplätze. Dies wurde aber nicht näher ausgeführt.

Bei der anschließenden „offenen Diskussion“ konnten sich die CSU-Mitglieder auf dem Podium mit Stellungnahmen aus ihrer Sicht nicht zurück halten. Schnell wurde deutlich, dass dies eben keine Bürgerversammlung sondern eine Parteiveranstaltung war, auf der uns Anwesenden die Sicht der CSU verkauft werden sollte.  Kritische Wortbeiträge aus dem Publikum wurden schnell unterbunden und abgewürgt, gelegentlich auch ausgesprochen unhöflich kommentiert. Der Diskussionsleiter Bausback war mit seiner Rolle sichtlich überfordert. Eine Moderation hat er weder versucht noch zustande gebracht. Eine geordnete Rednerliste ließ er nicht zu. Viele Anwesende kamen gar nicht zu Wort. Über Ursachen für Missstände und Fehlverhalten Einzelner diskutieren zu wollen, war den Veranstaltern offensichtlich zu kompliziert. Unerfahrene Redner wurden sichtlich bloßgestellt. Der von den Gegnern erwünschte und im Vorfeld abgesprochene sachliche Diskurs über das Thema war unter diesen Umständen einfach nicht möglich und es erhob sich zunehmend lautstarker Widerstand gegen dieses Verfahren. Viele Leute verließen resigniert vorzeitig den Saal. Winfried Bausback hatte immerhin noch das Gespür und beendete die Veranstaltung ziemlich abrupt, bevor ihm alles zu entgleiten drohte.

Für meinen Geschmack wesentlich interessanter waren die Gespräche am Rande der Veranstaltung. Drei CSU-Stadträte, die ich an dieser Stelle nicht outen möchte,  versicherten mir gestern Abend im Einzelgespräch, dass sie mit dem Vorpreschen ihrer Fraktionsführung überhaupt nicht einverstanden seien oder größte Bedenken bzgl. des überstürzten Vorgehens von Bausback hätten. Zusammen mit  Peter Schweickard, der gestern demonstrativ stumm auf dem Podium saß und sich bereits vor ein paar Tagen im Main-Echo öffentlich dazu geäußert hat, dass er „sich selbst etwas schwer damit“ tut, sind es nun  bereits vier CSU-Stadträte, die überhaupt nicht begeistert sind. Auch habe ich gestern aus berufenem Munde erfahren, dass es neue Ideen und endlich auch die entsprechende Personalausstattung im Aschaffenburger Jugendamt gibt, um künftig vermehrt an den Schulen das Thema Jugendschutz und Alkoholmissbrauch zu behandeln. Eigentlich im Umkehrschluss ein sehr deutlicher Hinweis, was bisher in Aschaffenburg nicht optimal lief. Aber auch das war nicht Thema der offiziellen Diskussion, obwohl es bestens gepasst hätte.

 

Was nun, CSU in Aschaffenburg? Wahlkampfauftakt vergeigt? Die Presse in Kontrastellung! Das junge Aschaffenburg aufgebracht? Erstaunlich viel Alte ebenso! Die eigenen Reihen nicht geschlossen? Die Verwaltung angepisst! Habt Ihr nicht mit den sozialen Netzwerken gerechnet, mit der Solidarisierung und Mobilisierung per Facebook, mit derzeit bereits 5000 Unterschriften von Gegnern Eurer Pläne in einer selbstverständlich rechtlich nicht wirksamen aber sehr deutlichen Online-Petition?  An die Netzwerkerei  solltet Ihr Euch schnell gewöhnen, denn es wird möglicherweise künftig auch die Kommunalpolitik etwas transparenter machen.

Auch wenn Ihr den Einstieg vergeigt habt, es gibt nach wie vor eine Menge Menschen im Städtchen, die gerne mit Euch diskutieren würden. Bei der Podiumsdiskussion zum gleichen Thema, welche das Main-Echo am 22.2. im Colos-Saal veranstaltet,  gibt es eine Möglichkeit, das Ganze besser zu machen.

Ja, es gibt Probleme. Ja, es gibt vielleicht auch Lösungsmodelle. Und vielleicht ist es außerhalb von öffentlichen Diskussionen mit den immer wieder kehrenden Schaufenster-Parolen von Partei-Funktionsträgern doch sachdienlicher, in kleineren Kreisen und unter Einbeziehung derjenigen, die sich tagtäglich als „Frontschweine“ mit der Problematik beruflich auseinandersetzen, zu reden und voneinander zu lernen. Mein Angebot steht nach wie vor, Herr Bausback. Aber ich weiß seit gestern gar nicht mehr, ob es Ihnen überhaupt darum geht.

Und wenn es doch noch zu einem Gespräch kommt, würde ich mich gerne mit Ihnen über ein paar „harte Themen” unterhalten. Über das gestörte Verhältnis von Politikern insbesondere aus der CSU zum Thema Alkohol. Insbesondere über feucht-fröhliche Bieranstiche. Über Wahlkämpfe in alkoholisch aufgeladenen Festzelten mit anbiedernden Maßkrügen auf Rednerpulten. Über eine legendäre Anti-Drogen-Diskussions-Veranstaltung der Hans Seidel Stiftung in meinem Colos-Saal, bei der zwei damalige Aschaffenburger CSU-Landtagsabgeordnete, einer sogar im Ministerrang, der andere in diesem Text bereits weiter oben unrühmlich erwähnt ,mit Biergläsern in der Hand über jugendlichen Drogenkonsum referierten – vor Jugendlichen! Über CSU-Landesminister, die öffentlich mutmaßen, dass man mit zwei Maß Bier noch fahrtüchtig sei.

Danach stünde auf meiner Themenliste die überstürzte Einführung von G8 verbunden mit Lehrermangel, was unseren Kids das Leben schwer macht. Wir könnten die überfrachteten Stundenpläne in unserem Freistaat diskutieren und welche Auswirkungen sie auf das Freizeitverhalten unserer Kinder hat, auf die Schwierigkeiten, die in Folge dessen auf die Jugendarbeit der Sportvereine zukam, die ganze Mannschaften verlieren, weil die Kids den Trainingsbetrieb zeitlich nicht mehr auf die Reihe kriegen. Ich würde gerne mit Ihnen über die schon lange fehlenden Schulsozialarbeiter reden, die möglicherweise deshalb nicht eingestellt werden können, weil die Bayerische Landesbank im Verbund mit der fast kompletten CSU-Parteispitze bei ihrem Hypo Alpe Adria Abenteuer Milliarden in den Satz gesetzt haben, die nun dringend im Staatshaushalt fehlen. Gerne auch über die Umstellung der Sportförderung vor ein paar Jahren, die die Vereinsfinanzierung und insbesondere die Jugendarbeit schwer getroffen hat.  Dazu gehört dann auch das Thema der Privatisierung öffentlicher Einrichtungen: die steigenden Kosten der Vereine für Hallen- und Bädernutzung. Wir müssten auch über das fast undurchlässige bayerische Schulsystem reden, dem in allen Untersuchungen vorgeworfen wird, dass es eindeutig und vorrangig die Kinder finanzstarker Eltern bevorteilt und den sozialen Status von Kindern aus finanzschwachen Familien erst recht zementiert.

Und ganz am Ende, sofern bis dahin auch Zahlen der Ordnungsbehörden vorliegen, die einen Anstieg von Gewalt und Kriminalität nachweisen, rede ich mit Ihnen auch gerne über das Dampfablassen junger Menschen in ihrer Freizeit, über deren Alkoholkonsum und über die Notwendigkeit einer Sperrzeitverlängerung, Herr Landtagsabgeordneter.

 

7 Gedanken zu „… ins Knie geschossen!“

  1. Auch dieser Blogeintrag entspricht zu 100% der Wahrheit! Ist echt unmöglich was da zur Zeit abläuft.
    Sehr gut geschrieben, aber das sind wir ja gewöhnt ;)

  2. Hallo Claus,
    vielen Dank fuer den Kommentar udn einen herzlichen Gruss vom SPD-Ortsverein Stadtmitte. Du stellst das Thema in einen politischen Zsuammenhang rueckst schon damit die nicht zielfuehrenden Verkuerzungen von lokalpolitischer Seite zurecht.
    Anfechtungen, solche Themen auf die schnelle, populistisch und mit der Ordnungsamts/ Polizeikeule loesen zu wollen, gibt es allerdings auch in den anderen Stadtratsfraktionen. Ich erwarte mir wirklich, dass eine solche Kommunikation, wie sie zu dem Thema in Facebook statt findet, fuer genuegend Transparenz sorgt. Politische Entscheidungstraeger kloennten so gezwungen werden, sich auch mit Inhalten, und nicht nur mit Parolen zu Wort zu melden.

  3. Vielen vielen Dank. Besser hätte man das was am Dienstag im K2 los war nicht beschreiben können. Ich hatte an keinem Zeitpunkt des Abends das Gefühl man würde irgendetwas auf die Meinung derjenigen geben, die das Angebot, dass es zum Glück in unserer Stadt gibt, die Abends noch ausgehen. Ja, Probleme haben wir, wie auch andere Städte in ganz Deutschland, aber alleine die populistische Aufmachung am Beginn der Veranstaltung zeigte mir mit welchen Waffen gekämpft wird. In Zeitungsberichten finden wir immer wieder Artikel, die beschreiben was am Wochenende in der Stadt los war. Ich fände es auch erstrebenswert wenn ich nichts mehr davon lesen müsste das man in Hauseingänge uriniert hat oder das irgendwelche Randale stattgefunden haben. Allerdings lese ich auch jeden Tag, dass es in der Stadt irgendwelche Verkehrsunfälle gegeben hat und ich habe noch nichts davon bemerkt, dass man die Autofreie Stadt Aschaffenburg anstrebt. Ich bin in der Politik tätig um Lösungen zu suchen und zu finden. Was die CSU hier macht ist keine Lösung sonder ein herumhacken auf den verschiedenen einzelnen Gruppen, ob nun Jugendliche oder Gastronome. Ich habe auf Facebook eine Zeile lesen können, und diese hat den ganzen Abend wiedergespiegelt. “Schuld ist nur der Döner”.
    Danke Claus für den Artikel, der an Wahrheit nicht zu übertreffen ist.

  4. Lieber Claus,
    mir stellen sich die Nackenhaare zu Berge, wenn ich miterleben muss, wie die reaktionär-konservativen Kräfte in der Union zunehmend Oberwasser gewinnen. Nicht nur in Aschaffenburg geschieht das, leider auch zunehmend in der Landes- und Bundespolitik. Gestern erdreistete sich der Vorsitzende der Seniorenunion sogar, Kinderlärm mit Presslufthämmerlärm gleichzusetzen und Kindergärten aus (Alten-)Wohngebiten zu verbannen. Andere Themen – ähnliche neokonservative Positionen: u.a. Frauenquote, Leiharbeit, Hartz IV-Regelsatz, Laufzeitverlängerung und und und.
    Dieser reaktionäre Roll-Back wird bestens verkörpert durch Angela Markel und den “Bürgerbaron”, auf welchen ich in diesem Zusammenhang näher eingehen möchte. Dieser Guttenberg inszeniert (und reproduziert, d.h. er denkt so!) gekonnt seinen „Klassenhabitus“ seiner adeligen (eigentlich: großbürgerlichen) und zugleich konservativen Abstammung und die Distinktion einer Klassenzugehörigkeit durch seine Sprache, seine spezielle und teure Kleidung, seinen hohen bürgerlichen Bildungsgrad, seiner Fähigkeit zur ästhetisierenden Kommentierung, seine persönliche Souveränität und auch Understatement in Auftreten und Verhalten, also letztlich habituelle Persönlichkeitsmerkmale, die im Großbürgertum und gehobenen Bürgertum vermittelt werden. Das kommt an. das macht in populär. Übrigens bei den gleichen leuten, die via facebook gegen Sperrzeitverlängerungen mobil machen. Fast in Vergessenheit gerät nämlich Guttenbergs sehr konervative Richtung. beleg dafür ist ein Positionspapier aus dem Jahr 2006, in dem sich Guttenberg mit anderen jungen CSU-Vertretern (Bär, Dobrindt, der so genannte „Zugspitz-Kreis“) klar für das traditionelle Familienbild aussprach. Das Papier wurde als Kampfansage der „jungen Konservativen“ an die Politik von der Leyens verstanden, die in der Akzeptanz des Betreuungsgeldes mündete, welches von der Leyen vorher immer bekämpft hatte.
    Er hat in seinen Reden häufig einen (rechts-)konservativen Zungenschlag mit der Tendenz zur Inszenierung eines „Tabubruchs“ und einer Kritik am plebejeisch-linken Zeitgeist. Guttenberg ist also der, hinter dem sich die Bausbacks, Christs, Geis’ und Co. austoben können, ohne gefahr zu laufen allzu unmodern zu wirken und dadurch urbane Wählerklientel zu vergrätzen. Im Gegenteil: Mit entsprechenden Initiativen wie in Aschaffenburg gelingt es der CSU einerseits “älteres” konservatives Wählerklientel wieder verstärkt zu binden und andererseits verliert man wegen der Person Guttenberg (oder auch Merkel) keine “modernen” WählerInnen.
    Auf diese Zusammenhänge wollte ich einmal hingewiesen haben.

  5. Als Nicht-Aschaffenburger sehe ich das Thema nicht mit der Lokalpolitischen Brille. Ich empfinde es aber als angenehm, dass auch zu später Stunde relativ viele Menschen in Aschaffenburg unterwegs sind. Denn das gibt mir ein subjektives Gefühl von Sicherheit – mehr als wenn ich alleine unterwegs bin. Wie soll sich denn die Veränderung der Sperrstunde auswirken: kommt gleichzeitig ein Ausgehverbot ab einer gewissen Uhrzeit ? Denn wenn nicht, wie soll dann verhindert werden, dass dennoch die angesprochenen negativen Personen/Gruppen unterwegs sind und für Unruhe sorgen ? Alkohol gibt es nicht nur kontrolliert in Gaststätten, sondern auch im Einzelhandel. Dort ist er sogar billiger, d.h. wer auf Randale und Suff aus ist, der wird daran nicht gehindert, wenn die Kneipen früher schließen müssen.
    Grüsse aus Hessen

  6. Hallo Claus.
    Sehr toller Artikel, danke. Obwohl ich ja nicht glaube, dass es zu einem echten Gespräch kommen wird, wenn ich mir deine Themenliste so ansehe. Du scheinst da viel besser informiert zu sein als die meisten der aufgezählten Politiker.
    Als nicht-Aschaffenburger bin ich ja nicht direkt betroffen, wobei ich doch ab und zu auch mal ins Colos-Saal komme. Ich drück euch die Daumen und werde das Ganze aus der Ferne beobachten, und bei evtl. anstehenden Aktionen bestimmt auftauchen und unterstützen.
    Liebe Grüße aus Frankfurt/W.
    wassn

  7. Eigentlich ist eine Sperrstunde Unsinn. Aber leider gibt es immer welche, mit zunehmender Tendenz, die sich einfach nicht unter Kontrolle haben und sich nicht an Regeln halten. Wenn jeder sich nachts normal benehmen würde, gäbe es keine Ruhestörung und ähnliches und wir müssten über Sperrstunden gar nicht diskutieren. Meine Wegehzeit begann 1989 da war irgend etwas anders. Wir tranken auch Alkohol und das gewiss nicht zu knapp, aber wir hatten Respekt und verhielten uns im Rahmen. Heutzutage kommen die Jugendlichen schon angetrunken in die Veranstaltungen und geben sich dort den Rest. Regeln gibt es da keine mehr. Aber was will man erwarten. Immer mehr Kinder wachsen nur mit einem Elternteil auf, weil der Vater nicht Vater sein kann oder die Mutter nicht Mutter. Allein ist man meistens überfordert. Die Kinder lernen keine Manieren mehr und werden immer respektloser. Die Politiker sollten sich lieber Gedanken darüber machen, wie man hier Hilfestellungen geben kann, statt mit der Polizei durch Städte zu fahren und diese “üblen Randalierer” aus dem Weg zu räumen. Denn meine Meinung ist, wer als Kind nicht lernt, bleibt dumm!

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