MdL im „rechtsfreien Raum“

Toll: da nimmt jemand seine Mission richtig ernst. Prof. Dr. Winfried Bausback, bayerischer Landtagsabgeordneter und Vorsitzender der CSU Stadtratsfraktion in Aschaffenburg hat sich gestern die Nacht um die Ohren geschlagen. Sozusagen als „embedded politician“ war er bis in die frühen Morgenstunden im Streifenwagen unterwegs – im „rechtsfreien Raum“, wie sein Stadtratskollege Manfred Christ die Innenstadt in den Nächten des Wochenendes bezeichnet. Unbewaffnet, das sei hier erwähnt.

Was war Anlass dieser Expedition in die Abgründe der menschlichen Gesellschaft? Was steckt dahinter? War es immer schon Bausbacks Jugendtraum, einen Polizeiwagen zu steuern, so wie andere Jungs es sich sehnlichst wünschen, einen Bagger zu fahren? Wollte er mal mit Begleitschutz in die Szene eintauchen? Wollte er der 5. Jahreszeit entsprechend einen Sheriff geben? Nein, alles Blödsinn. Erstens war er Augenzeugen zufolge in zivil unterwegs und zweitens hat er beispielsweise im Colos-Saal keinen Eintritt bezahlt, als er gemeinsam mit zwei Polizeibeamten heute Nacht gegen 2.30 Uhr unsere Veranstaltung besuchte. Vielleicht sind die Abgeordneten-Diäten doch nicht so üppig, wie der Laie immer denkt? MdL im „rechtsfreien Raum“ weiterlesen

… sehr leicht durchschaubar

Ein interessanter Beitrag zur aktuellen Diskussion um die künftige Länge der Sperrzeiten in Aschaffenburg ist in Facebook nachzulesen. Alfred Rudolf Höfer, Rentner und seines Zeichens Kassierer der CSU Ortsverband Aschaffenburg Damm offenbart ungeniert seine Geisteshaltung und möglicherweise die seiner örtlichen Parteikollegen zum Thema.

Schreibfehler und die Interpunktion stammen von ihm und ich nehme den Beitrag unverändert hier in diesen Blog auf. Wer ihn kommentieren möchte, immer gerne!

„Sperrstunde 02:00h in AB?
Rechte und Freiheiten des Einzelnen enden dort, wo die Rechte und Freiheiten der Anderen beginnen.
Die Rechte der Bürgen auf Nachtruhe, ungestörte Erholung und damit auf Gesundheit soll durch das Recht auf überschäumenden Genuss und Lebensfreude sowie Trunkenheit, Drogenkonsum und alle anderen negativen Begleiterscheinungen wie Erbrechen, Körperverletzung und Vandalismus eingeschränkt sein?

Nur weil andere in dieser Nachtzeit sehr viel Geld verdienen wollen; Kindern und Jugendlichen Alkohol und Drogen verkaufen ohne das Jugendschutzgesetz zu beachten sollte das Recht zu feiern nicht das Recht auf Gesundheit übertrumpfen.

Auch sollten Gastwirte aus Verantwortung für unsere Gesellschaft und ihre Gäste nicht den Gewinn über alles stellen. Ihr Protest gegen die Sperrstundenverlängerung ist sehr leicht durchschaubar.“

… ins Knie geschossen!

Immer Ärger mit der Sperrstunde?

Um es vorweg zu nehmen: Ja, es gibt Probleme des Nachts am Wochenende in der Aschaffenburger Innenstadt. Ja, es gibt zu viel Müll, es gibt unnötigen Lärm, es gibt Leute die weder ihren Alkoholkonsum noch ihre Verdauung im Griff haben. Ja, es gibt auch üble Gewalt, sinnlose Randale und zu viele besoffene Jugendliche in den Straßen. Ja, es gibt die dunklen Randerscheinungen des menschlichen Zusammenlebens und ich verstehe alle Anwohner, die davon genervt sind.

Wen ich nicht verstehe, sind diejenigen Anwohner, die maßlos übertreiben, gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen öffentlich hetzen, insbesondere gegen Jugendliche oder Gaststätten- bzw. Veranstaltungsbesucher, alles über einen Kamm scheren und gar nicht mehr bereit sind, zu differenzieren. Obwohl sie doch Wochenende für Wochenende Logenplätze haben und Augenzeugen dafür sind, dass sich tausende Menschen, die möglicherweise einen anderen Lebensrhythmus und sicher ein anderes Lebensgefühl haben, gutgelaunt und völlig gefahrlos nachts durch die Straßen der Stadt bewegen, sich dort amüsieren, ihre Freunde treffen, Kultur- und Unterhaltungsangebote wahrnehmen und völlig unbeschadet wieder nach Hause gelangen.

Das genau könnte auch unser ehemaliger CSU-Landtagsabgeordneter und Nochimmerstadtrat Manfred Christ sehen, wenn er aus den Fenstern seines Domizils in der Sandgasse schauen würde. Aber was sieht er? „Lärm-, Vandalismus- und Kriminalitätsprobleme.“ Nach Mitternacht sei die „Innenstadt ein rechtsfreier Raum“, behauptet er gegenüber dem Main-Echo, die Leute „pinkeln, grölen und randalieren“. Es gäbe „bis zu 50 Vorfälle an einem Wochenende“ wenn man sich die Einsatzberichte der Polizei durchlese. Mal abgesehen davon, dass er dies nun schon seit knapp 30 Jahren behauptet, habe ich persönlich das Gefühl, dass er wirklich nicht mehr weiß, was er damit der Stadt, ihren Bewohnern und ihren Besuchern antut. Wie müssen sich die Aschaffenburger Ordnungs-und Polizeibehörden fühlen, wenn sie so etwas lesen, wenn sie sozusagen als Versager dastehen, obwohl sie nach meiner langjährigen Beobachtung einen ziemlich guten Job machen? Was tut Manfred Christ dem Stadtmarketing an, das Aschaffenburg den Touristen als lebhafte Kommune voller Angebote mit hohem Lebens- und Unterhaltungswert anzupreisen versucht? Welches vernichtende und menschenfeindliche Urteil spricht er hier aus über all die Menschen, die sich friedlich in der Stadt bewegen? Und was versteht dieser Mensch von hart arbeitenden Unternehmern und Mitarbeitern in der Gastronomie, was versteht er überhaupt von wirtschaftlichen Zusammenhängen, wenn er die Chuzpe besitzt, in einem Zeitungsinterview zu verlangen, das gastronomische Geschehen „in die Industriegebiete“ zu verlagern und den Kneipiers das „notwendige Übel“ abverlangt, „eben kostengünstiger“ zu „wirtschaften“. Hallo? Geht‘s noch? Hat man ihn in den Stadtrat gewählt um Existenzen und Arbeitsplätze zu vernichten? … ins Knie geschossen! weiterlesen